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Im
Garten des Bolongaro-Palastes zu Frankfurt-Höchst, diesem glänzenden
Barockbau eines bürgerlichen Tabakfabrikanten, tummeln sich
auch im Sommer 2009 die Schauspieler und Komödianten.
Die Theater-Truppe um den Dramatiker Wolfgang Deichsel und den Schauspieler
Michael Quast bringt in historischer Szenerie die Stücke des
großen französischen Komödien-Dichters Molière
zur Aufführung, wie sie Deichsel in Verse auf schönstem
Hessisch übertragen hat.
Die Leute amüsieren sich schippelig
schreibt die Kritik über Wolfgang Deichsels Molière-Bearbeitungen.
Und das ist was Besonderes im deutschen Theater, denn da wird immer
noch wenig gelacht. Wolfgang Deichsel ist es gelungen, den Esprit
und Witz Molières aus dem höfischen Französisch
in ein farbiges und ausdrucksstarkes Südhessisch zu übertragen
und das Ergebnis ist umwerfend komisch.
Die barocke Pracht der Palast-Fassade
und das bezaubernde Flair des Parks sind "am Ende doch die
schönste der schönen Freilichtkulissen weit und breit"
(Judith von Sternburg in der FR). Und geben erneut die einmalige
Kulisse ab für 3 Wochen intelligentes Volkstheater!
Danach probiert das Festival etwas Neues
aus: Die Fliegende Volksbühne Frankfurt präsentiert zusammen
mit dem Barockensemble "Batzdorfer Hofkaspelle" die Oper
"Aci, Galathea e Polifemo" des 23jährigen Friedrich
Händel. Mit Michael Quast als Erzähler, drei Gesangssolisten
und einem 16köpfigen Orchester. (Ganz nebenbei auch ein Beitrag
zum Händeljahr.)
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Der hessische Molière
Zur Vorgeschichte unseres Festivals. Eine
Chronik. Von Wolfgang Deichsel (2004)
1971 führten
wir am "Theater am Turm" Molières "Schule
der Frauen" auf. Ich hatte den Text ins Hessische übertragen,
denn der Dialekt erwies sich als konkreter, sinnlicher, sein Wortschatz
ist reicher. Er verhindert die hohle Spielweise, die damals noch
üblich war. Im übrigen hielten wir die klassische Form
ein: den Alexandrinervers ersetzten wir durch den im Deutschen geläufigeren
Blankvers. Wir wollten das Molièrsche Pathos, das in seinen
großen Komödien die Tragödie einschließt,
nicht veralbern.
Wir waren die ersten in
Deutschland, die einen fremdsprachigen Klassiker in einen deutschen
Dialekt übertrugen. 1972 folgte Der Tartüff.
Für das Staatstheater Darmstadt übertrug ich 1972 den
"Menschenfeind". "Schule der Frauen" wurde vom
Hessischen Rundfunk als Fernsehtheater produziert, mit Günther
Strack, für den ich dann, wieder für den HR, einen Einakter
von Labiche zu einer abendfüllenden Posse ausbaute: "Loch
im Kopp". Dann schrieb ich wieder Hochdeutsch.
1989 konnten wir
am Schauspiel Frankfurt "Bleiwe losse" produzieren, eine
Folge von hessischen Kurzszenen. Es war eine sogenannte B-Produktion,
das zwang uns zu Kargheit. Wir konzentrierten uns aufs Schauspielerische.
Hier arbeitete schon die Gruppe Michael Quast, Hildburg Schmidt,
Wolfgang Deichsel, Ilse Träbing (Ausstattung), die auch heute
noch den Kern unseres Ensembles bildet.
Wir bildeten eine neue
Spielweise aus: mimisch grotesk, deutlich, jedenfalls ans Publikum
gerichtet.
1999 gaben uns die
Burgfestspiele Bad Vilbel die Gelegenheit, den "Hessischen
Molière" neu zu inszenieren. Erst hier, auf der Freilichtbühne,
bewährte sich unser Stil voll. Komödiantisch, laut, direkt
ans Publikum gerichtet. Das Publikum reagierte wie auf einem Rockkonzert,
wir waren verblüfft und begeistert. Zur Aufführung kamen
"Schule der Frauen", "Der Tartüff" und,
neu für Bad Vilbel übertragen, "Der eingebildet Kranke".
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